Unter dem Rotmilan

Unter dem Rotmilan
lebe 
ich still.

Der Grünspecht 
hüpft 
nach Käfern.

Hinauf
tändeln
die Blicke!
Mit dem Milan
hinauf
zu den Wolken
im Blau!
Leicht
zieht er mich mit!

Ein Schimmer
Segen
für den Moment!

Hoch!
Wo der Horizont 
weiter 
scheint!
Sommerwindumarmung!

Glückselige
Tagträumerei.

Unter dem Rotmilan
lebt es sich leicht.


© Petra Auernhammer

Pas de deux

Lass uns tanzen
diesen Tanz!
 
Den Klumpfuß mir
und dir
den krummen Buckel!
Der Musik den Takt
und uns die Melodie.
 
Der Mann am Piano
soll
die leisen Töne wählen,
die lauten, 
lass den anderen sein.
 
Lass uns tanzen,
in unserem Schritt,
den holprigen Walzer,
du und ich.

 
© Petra Auernhammer

So ohne Dich

Wenn Du fort bist,
ist ein Teil von mir verreist.
Schokolade schmeckt nach Kokosnuss
und im Seelenbahnhof
ist ein Zug entgleist.
 
Wenn Du nicht da bist,
ist mir Heimat fern.
Sonne scheint durch trübes Plexiglas,
und meine Sehnsucht
mutet dich auf einen unentdeckten Stern.
 
Wenn Du fort bist,
macht sich Lähmung breit.
Atem nährt den Körper nicht,
und tausend Felsen hemmen
den Sekundenzeiger meiner Zeit.
 
Wenn Du weg bist,
gibt’s kein leicht zu sein.
Der Schmetterling steckt im Kokon
und wie durch Taucherglocken 
fallen Töne ein.
 
Wenn Du nicht da bist,
bin ich nirgendwo zu Haus.
Das dürre Rohr beugt sich im Wind
und eine fremde Hand
reißt meine Wurzeln aus.

 
© Petra Auernhammer

Ein Auszug aus der Kurzgeschichte Der rote Mantel

Die Frau ging zügig über den verschneiten breiten Weg. Sie wusste, er ist eben und stellt keine versteckten Fallen unter der Schneedecke.
Den alten Holzschlitten zog sie hinter sich her, beladen mit einer großen Kiste, die mit verschlissenem Tau am morschen Gefährt befestigt war. Ihr Schritt schien mühelos, sie ging aufrecht, stolz.

Die Frau war sehr dünn. Ihr kirschroter Mantel hing ihr etwas weit über die Schultern.
In den letzten Monaten hatte sie es  schwer und schwer war ihr auch die Angst vor dieser Nacht.
Die erste Heilige Nacht alleine. Ohne ihre große Liebe.

Er war einfach gestorben, vor genau vier Wochen, an einem Novembertag, so grau, wie die Lücke, die er in ihrem Leben hinterließ. Als er noch lebte, waren ihre Tage fröhlich, ausgefüllt und voller Sinn. So viele Jahre waren sie gemeinsam im Leben. Dann, als die Krankheit kam und immer mächtiger wurde, ihn ihr immer mehr entzog, hatte sie ihn gepflegt und umsorgt. Und nun?
Nun war Heilig Abend.

Immer weiter zog die Frau den Schlitten weg vom Dorf, in dem sie lebte, weit hinaus, bis  kein Baum mehr den Horizont störte. Weit über die stillen Felder.

Irgendwann vor vielen Jahren waren sie hier gewesen, sie erinnerte sich sehr genau. Sie wusste auch, dass sie bald einen steinigen abschüssigen Weg einschlagen musste, der ihr in der Dunkelheit dieser Nacht wohl Schwierigkeiten bereiten könnte. Aber sie setzte ihren Weg fort, ohne zu zögern, denn sie hatte diesen Plan und sie wusste, dass ihr Vorhaben nur heute und jetzt zu verwirklichen war.

Es war sehr kalt. Die Nacht war sternenklar, wie nur Winternächte sein können.
Zügig ging die Frau weiter und bog schließlich in den Feldweg ab. Sie wusste, es ging hier recht steil bergab, und dunkel lag das zu erreichende Ziel in dem kleinen Tal vor ihr. Vorsichtig setzte sie Fuß vor Fuß, sie spürte, dass die gefütterten Stiefel ihr nicht  den nötigen Halt gaben, auf dieser Strecke. Doch das beirrte sie nicht.

© Petra Auernhammer

Keiner hat gefragt

Keiner hat gefragt 
nach Leben!
Die Dinge sind so,
wie sie sind.
Manchem ist mehr Mut gegeben,
mancher bleibt im Herz ein Kind.
 
Einer hat von Schönheit alles,
was der Zeiten Mode ist.
Der Andere ist zu spät geboren,
oder zu früh,
man weiß es nicht!
 
Der Eine hat der Weisheit Gaben,
ist klug und im
Zusammenhang.
Ein Andrer weiß nichts von den Formeln
und bannt doch auf Papier
den Klang.
 
Der Nächste, der kann Liebe schenken,
ein Weiterer ist hart wie Stein
und schafft es doch mit seinen Händen,
ganz weich und im Detail
zu sein.
 
Manch einer sucht das Abenteuer!
In 14 Tagen um die Welt!
Der Andre ist schon außer Atem, 
wenn er sich auf der Stelle hält.
 
Der Eine, der entspricht den Normen,
die du und ich nicht aufgestellt!
Der Endere ist eben anders,
und macht sie bunter, 
unsere Welt.
 
Niemand hat gefragt nach Leben,
hatte einst des Füllhorns Wahl.
Jedem wurde seins gegeben,
als Geschenk und auch zur Qual.
 
Und du, mein Kind,
ich will dir sagen,
auch wenn es manchmal schwierig ist,
so, wie du bist, so bist du richtig!
Es ist ein Wunder, wie du bist!


© Petra Auernhammer

Drachelied 

(Mundart)

Wend, Wend,
holl misch mett, geschend
onn wejs mä de Welt 
van owen!
 
Häw misch hoch 
bej de Sonn,
bej de Wollken onn schonn
danz ejsch aach for dejsch
ganz hegscht drowen!
 
Treh misch zart eroff!
Komm, ejsch waarten schon droff,
iwwer Wiese onn Feldä,
iwwer Aauen onn Wäldä,
loss misch danzen onn lachen,
datt Kind glecklich machen,
datt ahm Sählchin misch hält,
hat all Frähd van dä Welt.
Doch dä Sommä, dä Sommä moss gejn!
 
Komm, 
komm mä wenken em noch!
Mä wenken, 
onn doch,
ess dä Herbscht,
dä Herbscht schon se sejn!

© Petra Auernhammer